Rheinsteig Etappe 4

Der Rheinsteig – Etappe 4

Ich muss ja wahrscheinlich niemandem erzählen, wie einem in der Zeit der Corona Pandämie die Decke auf den Kopf fallen kann. Noch schlimmer wirds wahrscheinlich bei uns allen, wenn im März / April die Temperaturen steigen und damit die Säfte wieder fließen. Man bekommt unruhige Beine, das Fernweh wird wieder schlimmer.

Meine Tour startet in Linz, noch gut gelaunt. Die beste Wanderersfrau der Welt hat sich für mich die Mühe gemacht, mich am Startpunkt abzusetzen und am Ziel wieder einzusammeln. Mit dem Auto sind die Strecken in unter einer Stunde zu machen, aber es kommt trotzdem auf die Liste… Warum Etappe 4 als erstes? Ganz einfach: Etappe 4 ist als einzige mit „mittelschwer“ gekennzeichnet, während alle anderen mit „schwer“ bezeichnet sind. Man kann sich jetzt natürlich fragen, worauf sich das „schwer“ bezieht. Auf die benötigte Kondition? Oder vielleicht auf die Beschaffenheit der Wege?

Navigation

Leiten lassen habe ich mich wieder von meiner Garmin Instinct, weil ich auf der Tour das Handy nach Möglichkeit garnicht in die Hand nehmen wollte. Abschalten und genießen war der Plan, was auch einigermaßen geklappt hat. Die Tour an sich habe ich aus der offiziellen Komoot Collection, was ich für einen sehr guten Dienst halte. Ich bereue mein Lebenslanges Abo dort wirklich nicht, die Suchmöglichkeiten sind gut und den „offiziellen“ Strecken kann man trauen.

Das Problem an der Karte der Garmin Instinct ist nur, dass sie wirklich nur die Wegpunkte in Reihe anzeigt. Keine anderen Wege, keine Abzweigung oder sonstwas. Da kommt man schon hier und da ins rätseln, welche Abzweigung es denn nun sein soll. Auf offiziellen, gepflegten Strecken gibt es dann ja meist mehr oder weniger sichtbare Hinweise, aber wenn man auf eigene Faust unterwegs ist, ist das Handy mit Google Maps oder Komoot ein sehr mächtiger Verbündeter.

Strecke

Zur Strecke an sich kann ich sagen, dass das landschaftliche Erlebnis auf jeden Fall die Mühe wert ist. Zwar hatte ich auf den den ersten beiden Aufstiegen noch regelmäßig Begleitung von Leuten, die von Abstand noch nie was gehört haben, unangeleinte Hunde laut kläffend durch den Wald laufen lassen oder die Kindergeschrei für Musik halten, aber zum Glück gab sich der Rest der Strecke deutlich einsamer. Ob das hohe Besucheraufkommen an der Nähe zu Linz oder an der Urzeit lag, kann ich nicht sagen. Ich war aber froh, später dann die Landschaft in Ruhe und Frieden genießen zu können – und das laute Keuchen bei den Aufstiegen nicht mit aller Welt teilen zu müssen.

Der Plan

Geplant war eigentlich, spätestens Mittags vor Ort zu sein, damit genug Zeit bleibt, um hier und da die Aussicht zu genießen und auch eine vernünftige Mittagspause zu machen. Aber wie das mit Plänen immer so ist, kommt es anders als man denkt. Wir haben also zu der Zeit das Haus verlassen, zu der ich eigentlich meinen ersten Schritt machen wollte. Aber hey, nicht schlimm, dachte ich. Die Strecke hat nur 13,8Km, selbst mit meiner mittelmäßigen Kondition und dem schweren Rucksack gar kein Problem. Ich habe allerdings nicht auf dem Schirm gehabt, dass diese Tour keine ebenen Flächen kennt. Jeder Meter ist entweder hoch oder runter. Und wenn es runter geht weißt du: jeder Schritt runter muss auch wieder rauf. Ebene Teile der Strecke sind nur eine Falle, um dich in Sicherheit zu wiegen. Spätestens nach der nächsten Kurve kommt wieder eine Steigung, für die normale Menschen eine Treppe brauchen. Was bin ich froh, dass ich mir nur die „mittelschwere“ Etappe ausgesucht habe.

Wie auch immer, irgendwann habe ich dann einen brauchbaren Flecken gefunden, der für eine kurze Mittagspause gut war. Eine Bank zum sitzen und ausreichend ebene Fläche zu Füßen für den Gaskocher. Denn was ist denn so eine schöne Tagestour ohne eine Tasse Suppe, an der man sich schön die Zunge verbrennen kann? Zweimal? Also hinlegen, abschalten und darauf warten, dass die Suppe abkühlt.

Abschluss

Zum Schluss musste ich mir dann aber doch eingestehen, dass die Strecke ein wenig zuviel des Guten ist. Nach dem Abstieg nach Ariendorf, als ich die letzte Etappe des Tages in Angriff nehmen will, zeigten mir meine Beine den Vogel. Noch ein Aufstieg? Nur eine Stunde vor der vereinbarten Abholung? Ne, Feierabend. Nix geht mehr.

Also lag ich so da, wartete auf den Abholservice und dachte darüber nach, was ich an dem Tag so gelernt hatte:

  • Ich brauche noch viel Training für derartige Steigungen – aber ich bin gewillt, zu investieren, denn es macht Spaß
  • Ich muss sehr viel früher los, weil ich sonst fortwährend das Gefühl habe, zu spät zu sein
  • Ich habe zwar von fast allem im Rucksack gebrauch gemacht, aber ich muss das Gewicht trotzdem reduzieren
  • Mit dicken Wandersocken bekomme ich regelmäßig Blasen an den Füßen, mit den dünnen Alltagssocken ist mir nix passiert. Hmmm…
  • Ich hatte zwar genug Kleidungsschichten mit, aber vielleicht brauche ich noch einen zweiten Buff. Wenn man oben auf dem Berg steht, kühlt der Kopf schnell aus, also muss da was drauf. Außerdem tun mir bei dem Wind schnell die Ohren weh. Dazu kommt, dass mein Hals bei kaltem Wind empfindlich reagiert. Dass man sich in der Situation nicht sofort die Klamotten vom Leib reißt, wenn man nassgeschwitzt ist, muss ich nicht extra sagen. Im eigenen Saft zu schwimmen ist teil des Vergnügens.

Über Daniel Bierstedt

Hi. Ich bin begeisterter Rausgeher, schon seit frühester Jugend. Viele Jahre habe ich die Leidenschaft ignoriert, aber jetzt geht's wieder los. Folgt mir auf meiner Reise, seid dabei wie ich alte Erfahrungen auffrische und neue sammle. Ich freue mich darauf, von euch zu hören!

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