Die Hambacher Abraumhalde

Es fällt mir grad wirklich schwer, die Eindrücke dieses kurzen Ausfluges zusammenzufassen. Zu Widersprüchlich und zu Eindringlich waren meine Erlebnisse… Aber beginnen wir die Geschichte am Anfang.

Rund um den Tagebau der Firma RWE gibt es mehr oder weniger große Waldgebiete. Ich beziehe mich hier ausdrücklich nicht auf das Gebiet, in dem mit zivilem Ungehorsam widerrechtlich gegen die verbrecherischen Machenschaften des Konzerns und der Politik demonstriert wird / wurde. Nennen wir dieses Gebiet den „Südwald“. Nein, ich habe schon länger die Abraumhalde nördlich der Grube im Blick, nennen wir das Gebiet den „Nordwald“.

Betriebsgelände / NSG

Der Nordwald liegt auf einem riesigen Berg Schutt, der aus dem Tagebau stammt. Kleinere Gebiete am Fuße des Berges sind Naturschutzgebiet, der Berg selber nicht. Ich nehme an, das liegt hauptsächlich an der Tatsache, dass der Berg als Betriebsgelände deklariert ist und bis vor kurzem (so zehn Jahre ungefähr) noch von schwerem Gerät befahren wurde um zu wachsen.

Auf gruselige Art sieht man dem Gebiet an, wie jung es auf der einen Seite ist, wie alt auf der anderen. Während man die 300 Höhenmeter bearbeitet, sieht man hier und da schöne Kieferngruppen mit ansehlichen Stämmen. Je höher man allerdings kommt, desto kleiner, dünner und strauchiger wird die Vegetation. Man spürt deutlich, dass da etwas entsteht, wächst – aber noch sehr jung ist. Genau das Gegenteil spürt man, wenn man das Höller Horn erreicht – ein Sandgebiet ziemlich in der Mitte des Berges. Dort sieht man, wie sich einzelne, hartnäckige Pflanzen im Sand festkrallen und dem Wetter trotzen. Sand und Steine, die ich so nur vom Strand kenne. Da wird einem plötzlich klar: ja, das ist Strand und Meeresboden. Allerdings war es das vor Millionen von Jahren.

Spuren

Das Wetter war nicht ganz so einladend. Dauerregen, Windböen und schlimmeres war angesagt. Das und der Umstand, dass man den Berg ja erst erklimmen muss, haben wahrscheinlich dafür gesorgt, dass ich nur wenig anderen Menschen begegnet bin. Das heißt natürlich nicht, dass deren Spuren nicht überall zu sehen sind: Müll in den Büschen und Schneisen von Mountainbikern waren allgegenwärtig. Es lässt einen kopfschüttelnd zurück. Muss das sein?

Der sorglose Egoismus mancher Mitmenschen nervt mich zunehmend. Das ist sicher kein neues Thema, man begegnet diesen Diskussionen immer mal wieder in Foren und Facebook Gruppen. Trotzdem werde ich hier im Blog nochmal meinen Senf dazu loswerden müssen. Irgendwann mal, in einer ruhigen Minute.

Öffentlichkeitsarbeit

Man könnte nun auf den Gedanken kommen, dieser riesige Konzern hat etwas an die Menschen zurückgegeben, die er mit diesem unglaublich großen Loch im Boden geschädigt hat. Den Leuten, die ihre Dörfer verlassen mussten. Den Leuten, die heute an geologischen Anomalien leiden.

Nein, falsch gedacht. Warum wurde um die Grube so viel wie möglich begrünt? Feinstaubwerte in der Gegend wurden extremst überschritten und der Konzern musste irgendwas machen. Nicht für uns, für sich selbst.

Dass das ganze Projekt nicht in erster Linie als ein Naturprojekt läuft sieht man an den vereinzelten Hinweisschildern. Diese sind eher selten gestreut und eher ein Alibiversuch denn wirkliche Information. Es wirkt, als hätte jemand den Auftrag bekommen, aber nicht wirklich Budget dazu. Wie so oft bei nicht wirklich wichtigen Sachen. Was gut ist, sind die regelmäßigen Karten mit Beschriftung der Rettungspunkte. Wenn man sich jetzt allerdings wieder ins Gedächtnis ruft, dass wir uns hier eigentlich auf Betriebsgelände befinden, wahr das vielleicht auch nicht so ganz freiwillig.

Garmin Instinct

Dies war auch der erste längere Ausflug meiner neuen Garmin Instinct. Die alte Polar hat aufgegeben und nach so einigen Jahren musste etwas neues her. Da ich mich sehr über den Service von Polar aufgeregt habe war klar, welche Marke es nicht wird. Bis jetzt kann ich sagen, ich bin sehr glücklich mit der Wahl.

Wetter

Ich hatte ja schon erwähnt, dass das Wetter nicht ganz so traumhaft war, weshalb ich mich dann auch etwas früher als geplant wieder auf den Rückweg gemacht habe. Wenn man zwei Stunden vor Sonnenuntergang auf einem windigen Berg sitzt, der Himmel über einem schwarz wird und der Rückweg mindestens eine Stunde beträgt – ja, da gerät man ins Grübeln, ob jetzt noch große Sprünge nötig sind.

Jedenfalls, auf dem Rückweg bin ich nochmal an einer stelle mit guter Aussicht vorbeigekommen. Da wird einem nochmal gruselig klar, auf welcher Höhe man sich befindet. Zahlen auf Papier sind das eine, es selber zu erfahren etwas ganz anderes.

Über Daniel Bierstedt

Hi. Ich bin begeisterter Rausgeher, schon seit frühester Jugend. Viele Jahre habe ich die Leidenschaft ignoriert, aber jetzt geht's wieder los. Folgt mir auf meiner Reise, seid dabei wie ich alte Erfahrungen auffrische und neue sammle. Ich freue mich darauf, von euch zu hören!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.