Hängemattensetup mit Tortuga und Amazonas Hängematte unter einem 4,5m x 4,5m Tarp

Unser erstes Abenteuer in der Hängematte

Wie der Titel schon sagt, war das die erste Übernachtung in einer Hängematte für Karo und mich. Eigentlich ist das ja alles keine große Sache, rein theoretisch hatten wir alles dabei und die Location war nicht weit von zu Hause. Ein Abbrechen zwischendrin, sogar mitten in der Nacht, wäre also ärgerlich, aber machbar. Trotzdem, wenn so etwas neu ist, ist es aufregend – auch, wenn eigentlich nichts passieren kann: ein Abenteuer in der Hängematte!

Enges Hängematten-Schlafsetup

Karo hat in ihrer Amazonas Traveller XXL genächtigt, da sie auf das Moskitonetz auf keinen Fall verzichten wollte. Ich habe da kaum Moskitos gesehen, aber Zecken natürlich zuhauf. Insofern also vielleicht gar keine blöde Idee. Ich bin ja immer noch der Meinung, dass sie die Hängematte zu straff spannt, aber das werden wir testen müssen. Fakt ist, die Schultern werden sehr eingeengt, was natürlich unbequem ist. Wir werden herausfinden, was wir da machen können… Untendrunter hatte sie den Underquilt von DD Hammocks, der auch seine Dienste getan hat. Zwar war es (laut Wetterbericht) nachts bei 13°C, aber ohne wäre es trotzdem zu kalt gewesen.

Auch am Underquilt muss ich noch arbeiten. Zwei Schnüre links und rechts, wo sich die Gummizüge einhaken können? Mal schauen.

Die Amazonas Traveller XXL – bei Karo vor allem wegen des Moskitonetzes beliebt.

Ich selbst lag in meiner Tortuga Hängematte aus Kothenstoff. Diesen kenne ich noch aus meiner Kindheit bei den Pfadfindern und ich finde das haptische Erlebnis dem bei anderen Hängematten weit überlegen. Nein, die hat nix mit Ultra-Light zu tun. Sie wiegt ungefähr eine Tonne und ist riesig! Damit meine ich natürlich das Packmaß. Aber ich mag sie einfach. Sie ist simpel, irgendwie so ganz anders als die Amazonas & Co mit ihren Hightech Materialien.

Die Tortuga Hängematte fühlt sich sehr gut an, ist aber ein Schwergewicht. Das liegt natürlich am Stoff und an den Eisenringen an beiden Seiten.

Neu bei mir ist der Cocoon von SnugPak. Interessante Idee, aber ich muss noch damit warm werden (Wortwitz!). Nur im Cocoon war es ein bisschen kühl von unten, weshalb ich mir den Schlafsack rein geholt habe. Der flog aber nach einer Stunde oder so wieder raus, weil es einfach zu warm wurde. Ich hätte gerne eine einfache Wolldecke mit drin, die natürlich das Problem mit der Kälte von unten nicht löst. Mal schauen, ich probiere mich durch. Ein anderer Punkt ist, dass der Cocoon tatsächlich einen Schlafsack ersetzen kann. Damit einher kommt eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit. Gefällt mir nicht so sehr… Mit Schlafsack im Cocoon ist es natürlich noch schlimmer, wie Wurst in Pelle. Mal schauen, ich werde noch ein paar Tests machen.

Der erste Ausblick morgens, noch mit dem SnigPak Cocoon um die Tortuga Hängematte gewickelt.
Der erste Ausblick morgens, noch mit dem SnugPak Cocoon um die Tortuga Hängematte gewickelt.

Abenteuerliches Kochen

Wir haben lange überlegt, was es denn zu Essen geben soll. Ich wollte unbedingt eine One-Pot Pasta probieren, aber das valide Gegenargument war: unsere Töpfe sind schlicht zu klein. Ich habe mal ein billiges Set aus kleinen Töpfen gekauft, die für einen vielleicht knapp reichen. Für zwei aber keine Chance! Tja, wer billig kauft, kauft zweimal.

Am Ende wurde es ein Eintopf aus roten Bohnen, Mais, veganer Bolognese und Kartoffeln aus der Glut. Auch sehr lecker, aber aufwändig. Klingt nicht so, aber mit den kleinen Töpfen war das wirklich nicht so leicht. Obendrauf fand ich die großen Kartoffeln im Supermarkt viel cooler und passender als die kleinen. Dass die dann auch sehr viel länger zum garen brauchen hat mir niemand erzählt…

Wie auch immer, es steht ein neuer Topfkauf an. Meine persönlichen Anforderungen wären: Henkel (zum übers-Feuer-hängen), um die 2 Liter, abnehmbarer Griff. Kann ja nicht so schwer sein, schauen wir mal.

Zickiges Feuer

Das Feuer war ein Knackpunkt. Ich habe gute Erinnerungen an meine Zeit als Pfadfinder, in der es als Schande galt, jedes noch so nasse Holz nicht mit exakt einem Streichholz entzünden zu können. Nun, in dieser Disziplin habe ich schlicht versagt. Ich habe mich auf 20 Jahre altes Wissen verlassen und war verlassen. Die liebe Karoline hat uns dann gerettet, als sie einen trockenen Birkenast gefunden und mir schön fein die Rinde abgezogen hat. Ich hatte zwar auch ein wenig Birkenrinde da, aber anscheinend war das Holz durch den Regen der vergangenen Tage doch zu sehr durchweicht oder schlicht zu vermodert. Das Ende vom Lied war, Feuer brannte – aber erst nach Einsatz einer halben Packung Streichhölzer, Feuerzeug und fast aller meiner Nerven.

Am nächsten Morgen wollte ich es nochmal wissen und wollte den Morgenkaffee auf offenem Feuer kochen, nicht auf dem kleinen Gaskocher. Also habe ich nochmal sehr gezielt absolut trockene Birkenrinde gesucht und kleinstes Holz vom Boden der Umgebung des Lagers. Die Birkenrinde hat mit dem Feuerstahl ziemlich bald Feuer gefangen und der Rest ging auch – trotz feuchten Holzes. Das Fazit ist also: Alles ganz einfach, wenn du gut vorbereitet bist und weißt, was du tust. Ich werde also meine Abwehrhaltung aufgeben und mir doch ein Zunderpäckchen zusammen suchen. Geht einfach besser.

Nur am Rande sei mal erwähnt, dass eine Tasse Kaffee auf einem Gaskocher natürlich sehr viel effizienter gekocht ist. Mit Romantik hat das allerdings nichts zu tun und wir hatten Zeit – also ran da!

Hilfreiche Knoten

Ich bin ja manchmal auch minimalistisch unterwegs, was ein feines Wort für faul ist. In diesem Zusammenhang bedeutet es, ich habe mich fast auf nur zwei Knoten eingeschossen.

Der Palstek kommt bei mir immer dann zum tragen, wenn sich danach nichts mehr bewegen soll. Schon als Kind bei den Pfadfindern stand dieser auf dem Lehrplan, aber ehrlich gesagt habe ich ihn damals schlicht nicht kapiert. Das habe ich nun nachgeholt…

Den Topsegelschotstek habe ich erst im Zuge der Bushcrafterei kennengelernt und ich muss sagen, dass er bestimmt in 80% der Fälle zum Einsatz kommt. Es handelt sich hierbei um einen Klemmknoten, was bedeutet: ihr könnt dessen Position verändern, aber sobald Zug drauf kommt, hält er einfach fest. Das ist gut zum Heringe oder Tarp nachspannen oder wenn ihr vorher noch nicht so genau wisst, wie groß eine Schlaufe sein muss.

Verdammte Zecken

Ja, auch so ein Thema. So schön so ein Abend am Lagerfeuer auch ist, so entspannend eine Nacht in der Hängematte auch sein kann… Der Wald, in dem dieses Abenteuer statt fand, war eine Zeckenhochburg. Noch Tage später habe ich mir die winzigen Viecher aus der Haut ziehen lassen. Wenn ihr da Tipps habt: schreibt mal eure besten Anti-Zecken Mittel in die Kommentare!

Lessons Learned

Tja, was haben wir gelernt…

Wir müssen noch sehr am Schlafsetup arbeiten. Wir haben nur wenig Schlaf bekommen, was natürlich nur zum Teil am Schlafsetup liegt. Zwar waren wir beiden nicht nervös oder sogar ängstlich, aber es ist doch eine ungewohnte Umgebung. Nicht nur das draußen sein, sondern auch die Umstellung vom weichen, warmen Bett hin zu einer Hängematte, die einen gefühlt zerquetschen will.

Die Essensplanung muss besser auf Outdoor abgestimmt werden und wir müssen früher los. Ich bin jemand, der keine Ruhe hat, bevor nicht alles sicher klappt. Das bedeutet, wir haben mit anfeuern sofort begonnen, sobald der Schlafplatz fertig, genug Feuerholz gesammelt und der Lagerplatz am Feuer fertig war. Das war dann auch schon kurz vor Dämmerung, also mit nochmal los und Holz sammeln wäre es schwierig geworden. Auch dass das Kochen dann so lange dauert, muss eingeplant werden. Sollen es zum Beispiel unbedingt Kartoffeln sein, die eine Stunde dauern, muss der Rest der Mahlzeit so geplant werden, dass man in der Wartezeit schon mal was essen kann. Dann gehts allen gleich viel besser.

Die kleine Campinglampe, die wir im Tarp zwischen den Hängematten aufgehängt hatten, war wirklich ihr Geld wert. So war das nächtliche Umbauen sehr viel einfacher als vielleicht mit einer Taschenlampe im Mund oder sogar komplett im Dunkeln. Meine Befürchtung mit den angelockten Insekten war übrigens komplett unbegründet. Mehr Sorgen hatte ich wegen des Autos, das dann in der Dunkelheit über den nahen Waldweg gedonnert ist. Aber wer immer das war hat uns komplett ignoriert. Vielleicht auch gar nicht gesehen, die Lampe lässt sich weit herunterdimmen und kann beim nächtlichen Pinkeln auch als Positionslampe genutzt werden.

Abschluss

Aber das klingt jetzt alles sehr technisch. Natürlich war es der hautpsächliche Fokus, Zeit miteinander zu verbringen, Zeit draußen zu verbringen und sich zu entspannen. Das mit dem Entspannen muss jetzt jeder für sich selber bestimmen. Ich für meinen Teil muss allerdings sagen, dass ich sehr entspannt und glücklich wieder zu Hause angekommen bin. Wie ein richtiger Kurzurlaub hat mich diese Aktion aus dem Alltag gerissen. So fertig wie wir auch am Abend zu Hause waren, so glücklich waren wir aber. Natürlich war das alles Kleinkram, aber trotzdem können wir sagen: wir haben zusammen ein Abenteuer erlebt und das hat Spaß gemacht!

PS: wer sich über die nackten Füße wundert: Ich bin beim Einladen kurz vor der Abfahrt nach Hause in verfickte Hundekacke getreten und habs erst später am Geruch gemerkt. Also kam der Schuh in eine Plastiktüte (keine Lust auf den Geruch im Auto) und folgerichtig bin ich dann barfuß bei Subway gewesen. Seit die wieder eine vegane Alternative haben, lassen wir unsere alte Tradition aufleben: nach anstrengenden Terminen nehmen wir ein Subway Baguette mit nach Hause. Dann ohne großen Aufwand aufs Sofa und futtern.

PPS: Ich fotografiere ja nebenbei auch noch ein bisschen, wo sich häufig die Frage der Inspirationsfindung stellt. Ein bewährtes Mittel ist dabei, sich bestimmte Aufgaben zu stellen oder sich auf bestimmtes Werkzeug zu beschränken. Normalerweise bin ich bei solchen Aktionen ja mit dem Tamrom 17-35mm Objektiv unterwegs, diesmal war es der gute, alte Canon Joghurtbecher (50mm). Das fotografieren ist tatsächlich anders, man muss sehr viel mehr auf Abstände etc achten. Aber ich denke, der aufmerksame Bildbetrachter hat das längst bemerkt.

Über Daniel Bierstedt

Hi. Ich bin begeisterter Rausgeher, schon seit frühester Jugend. Viele Jahre habe ich die Leidenschaft ignoriert, aber jetzt geht's wieder los. Folgt mir auf meiner Reise, seid dabei wie ich alte Erfahrungen auffrische und neue sammle. Ich freue mich darauf, von euch zu hören!

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